Jeremy Jones erlangte seinen Status als Pionier im Snowboarden, indem er buchstäblich den Weg für andere auf unverspurten Hängen bahnte. Er ist bekannt für das Big Mountain Freeriden und Powsurfen, dem Snowboardfahren im freien Gelände abseits präparierter Pisten. Jones ist oft auf Hängen zu finden, für deren Bewältigung er all seine über 30 Jahre Erfahrung benötigt. Jones gründete 2009 Jones Snowboards, ein Unternehmen mit dem Ziel, Leistungsstandards zu optimieren und die beste Ausrüstung in seinem Bereich zu entwickeln. Das interessiert auch uns ungemein.

F:
 
Was geht dir morgens nach dem Aufwachen durch den Kopf?
 
A:
 
An Tagen, an denen es ins Gelände geht, denke ich beim Aufwachen immer zuerst an die größten Gefahren, denen ich an diesem Tag ausgesetzt sein könnte. Ich nehme mir einen Moment Zeit, um den Tag durchzugehen und darüber nachzudenken, welche Gefahren/Warnsignale ich möglicherweise übersehen könnte. Dann schaue ich nach draußen und prüfe, ob sich das Wetter über Nacht unvorhergesehen geändert hat.
 
F:
 
Wo gehst du am liebsten snowboarden?
 
A:
 
Ich war schon auf der ganzen Welt snowboarden, aber jetzt hat meine Heimat, insbesondere die High Sierra, meine volle Aufmerksamkeit. Ich liebe es, komplett neue Gelände zu erkunden. Und die Tatsache, dass auf den meisten Bergen in meiner Heimat noch keine Snowboarder waren, begeistert mich wirklich.
 
F:
 
Erzähle uns deine Lieblingsgeschichte von einem Tag draußen beim Snowboarden.
 
A:
 
Gegen Ende der Saison habe ich einen mentalen und physischen Kampf in der High Sierra gewonnen, nach jahrelangen gescheiterten Versuchen. Es war spät am Tag, wir waren 5 Tage vom Ausgangspunkt entfernt und erreichten ein Tal voller unberührter Hänge, die komplett unbefahren waren. Bei Sonnenuntergang ging es dann los und ich konnte einen Traum von mir erfüllen. Ich bin als erster einen unverspurten Hang in Kalifornien abgefahren.
 
F:
 
Wie schaffst du es, dass du jedes Jahr besser wirst?
 
A:
 
Seit ich vor 30 Jahren mit dem Snowboarden angefangen habe, versuche ich, immer besser zu werden. Ich mag Orte, die ich nur dank meiner lebenslangen Erfahrungen erreichen konnte. Ein Gipfel, auf den ich nicht früher in meinem Leben hätte stehen können, weil mir ausreichende Ortskenntnisse oder die richtigen Fähigkeiten gefehlt hätten. Das schaffe ich in der Regel einige Male im Jahr. Hier liegt mein Schwerpunkt. Es ist Sache der anderen, zu entscheiden, ob sich der Sport dadurch weiterentwickelt oder nicht.
 
F:
 
Wenn du etwas besser machen könntest, was wäre das?
 
A:
 
Ich könnte besser organisiert sein. Vor allem, wenn ich nicht in den Bergen bin. Ich habe Schwierigkeiten, mich auf die alltäglichen Aufgaben des Lebens zu konzentrieren.
 
F:
 
Welche Ziele hast du in deinem Leben noch nicht erreicht?
 
A:
 
Ich möchte das gleiche Hochgefühl, das ich an abgelegenen, gefährlichen Orten erlebe, an einfachen, alltäglichen Orten erreichen. Dass ich weniger brauche, um aus vollem Halse vor Freude zu schreien.
 
F:
 
Gibt es eine Hassliebe in Bezug auf deine Aktivitäten und kannst du sie beschreiben?
 
A:
 
Ich hasse es, dass so viele Freunde in den Bergen gestorben sind. Und ich liebe und hasse es, mitten in der Nacht aus einem warmen Schlafsack zu kriechen, gefrorene Stiefel anzuziehen und in pechschwarze Berge zu wandern.
 
F:
 
Was ist dein Lieblingsgeräusch?
 
A:
 
Ich liebe Orte, wo man die Geräusche der Menschen nicht hören kann.
 
F:
 
Welchen Beruf hättest du, wenn du nicht das tun würdest, was du gerade machst?
 
A:
 
Ich habe keine Ahnung. Ich hatte keinen Plan B, aber ich garantiere, dass ich trotzdem meinen Lebensunterhalt draußen im Freien verdienen würde.

yeti