Du musst nichts über Freeriding wissen, um zu erkennen, dass Cody Townsend die spektakulärsten Strecken fährt. Aber diejenigen, die sich auskennen, stimmen zu. Eine seiner Abfahrten gilt als „die verrückteste Abfahrt aller Zeiten“, bei der er eine der „schwierigsten vertikalen Strecken“ in Alaska gerade herunter gefahren ist. Obwohl seine Karriere mit Auszeichnungen überhäuft ist, bedauert Cody, dass die Skisaison zu kurz ist. Er ist und bleibt ein vielseitiger Ganzjahressportler, ist ein begeisterter Surfer und Fliegenfischer und arbeitet an seiner ständig wachsenden Wunschliste.

F:
 
Was geht dir morgens beim Aufwachen vor dem Skifahren durch den Kopf?
 
A:
 
„Kaffee.“ Nach dem Kaffee ist der obligatorische Wettercheck angesagt und dann sieht man weiter. Mein Leben wird hauptsächlich vom Wetter bestimmt. Was ich an einem Tag tue, hängt also davon ab, was am Himmel vor sich geht.
 
F:
 
Wo fährst du am liebsten Ski?
 
A:
 
Die Berge an der Westküste Nordamerikas faszinieren mich – von meinem Heimatberg Squaw Valley über die riesigen Berge von British Columbia bis hin zum Mekka für Skifahrer, Alaska.
 
F:
 
Erzähle uns deine Lieblingsgeschichte von einem Tag draußen im Freien.
 
A:
 
Es gibt viel zu viele fantastische Erinnerungen von Tagen in den Bergen. Da sticht keine hervor. Aber eine Geschichte, die oft passiert, beschreibt meinen Lieblingstag ganz gut. Es beginnt in der Regel mit einem Aufwachen gegen 4:00 Uhr, einem schnellen Kaffee und Eiern und dann geht es nach draußen. Ich fahre zu einem Ausgangspunkt, treffe mich mit Freunden und wir springen auf unsere Schneemobile. Wir rasen in Richtung einer Skipiste, aber an einer Stelle, an der wir noch nie abgebogen sind, fahren wir rechts ab. Schnell haben wir uns verirrt, schlagen uns durch nicht erforschte Täler, schlängeln uns zwischen Bäume und Bachbetten hindurch, nur um einen Weg in die Bergwelt zu finden. Nach stundenlanger Suche finden wir uns schließlich vor einer riesigen Wand mit dem perfekten Hang wieder. Wir verlassen unsere Schneemobile und beginnen den Aufstieg. Nachdem wir für Stunden durch hüfttiefen Schnee die 55-Grad-Stirnseite hinauf gewatet sind, erreichen wir es kurz vor Sonnenuntergang den Gipfel. Wir ziehen so schnell wie möglich unsere Ausrüstung an, setzen unser Pokerface auf und fahren den fast vertikalen Hang hinunter. Wir hüpfen, wir schweben und wir rutschen auf dem Rücken nach unten. Wir klatschen ab, schreien vor Freude und steigen dann wieder auf die Schneemobile, um aus den Bergen zurück zu den Fahrzeugen zu gelangen, und zwar in der Dunkelheit der Nacht. Und am nächsten Tag machen wir das Ganze noch einmal.
 
F:
 
Wie schaffst du es, dass du jedes Jahr besser wirst?
 
A:
 
Ich nehme mir nicht bewusst zum Ziel, jedes Jahr besser zu werden. Ich denke, die Verbesserung kommt einfach aus Leidenschaft und Fantasie. Wenn ich nicht Ski fahre, denke ich oft ans Skifahren. Ich schaue mir Karten an, um neue Gelände zu entdecken, arbeite an neuen Ausrüstungsdesigns und träume von all den Möglichkeiten. Durch diese Gedanken entstehen neue Ideen und neue Ziele.
 
F:
 
Wenn du etwas besser machen könntest, was wäre das?
 
A:
 
Ich würde mir die Zeit besser einteilen, um mehr Freizeitspaß zu haben und gleichzeitig die wichtigen Dinge des Lebens nicht zu vernachlässigen.
 
F:
 
Welche Ziele hast du in deinem Leben noch nicht erreicht?
 
A:
 
Surfen in Mavericks, El Capitan bezwingen, Angeln in Patagonien, ein Flugzeug fliegen ... die Liste ist unendlich.
 
F:
 
Welcher Teil von dir oder dem, was du machst, spiegelt einen Geist der Unruhe wider?
 
A:
 
Ich werde nervös, unruhig und ärgerlich, wenn ich nicht jeden Tag etwas draußen mache.
 
F:
 
Gibt es eine Hassliebe in Bezug auf deine Aktivitäten und kannst du sie beschreiben?
 
A:
 
Am Skifahren stört mich bloß, dass man es nur vier bis sechs Monate machen kann. Ich wäre viel entspannter, wenn ich das ganze Jahr über Ski fahren könnte.

yeti